Von der Schul- an die Werkbank

TITISEE-NEUSTADT. Bereits im zweiten Jahr, in dem das Kooperationsprojekt von angewandtem Technikunterricht in produzierenden Betrieben der Realschule Neustadt läuft, ist es fast "zur Herzensangelegenheit" für die Beteiligten geworden, sagt Techniklehrer Thomas Zipfel, der das Projekt über persönliche Kontakte zu Julian Meyer von Mesa Parts ins Leben gerufen hat.
Badische Zeitung vom 18.7.2009

Drei heimische Firmen unterstützen die Zusammenarbeit mit der Schule: Framo, IMS Gear und Mesa Parts. Nach einer Bearbeitung des Technikunterrichtsthemas "Metallverarbeitung" samt Erstellung eines Werkstücks im schuleigenen Werkraum, gehen die Technikschüler der achten Klasse einige Tage in einen Betrieb, um dort, unter nun professionellen Bedingungen und unter Anleitung und Hilfe von Ausbildungsleitern und Azubis, das gewählte Thema erneut zu bearbeiten.
 
In einer Präsentationsrunde stellten zwei der drei Gruppen ihre ersten Erfahrung in einem Betrieb vor und präsentierten stolz ihre hergestellten Werkstücke. Zu dieser Ergebnisrunde kamen auch die Ausbildungsleiter Jörg Panek von IMS Gear in Eisenbach und Andreas Stoll von Mesa Parts in Lenzkirch. Ausbildungsleiter Schwab und die ihm anvertraute Schülergruppe von Techniklehrer Alois Marder konnten nicht bei der Präsentation dabei sein, denn sie werkelten noch intensiv im Betrieb der Firma Framo in Eisenbach.

Dass die Achtklässler mit großer Konzentration und viel Arbeitseifer ihr zuvor erlerntes Wissen im Betrieb praktisch anzuwenden versuchten, war nicht nur den Schülerreferaten zu entnehmen. Auf den dokumentierenden Fotos aus den Betrieben war es auch deutlich zu sehen.

Zipfel ist sich über den pädagogischen Wert des Projektes absolut sicher: Die Schüler begreifen den Werkstoff mit allen Sinnen - eine erklärende Geste unterstreicht diese Aussage. Im Betrieb können wertvolle Erfahrungen gemacht werden, nicht nur zum Werkstoff Metall, sondern auch zum Ablauf in einem Betrieb. Tatsächlich: "Wir konnten ins Berufsleben reinschauen", erläutert eine Gruppe.

Im Betrieb konnte nicht nur mit viel besseren Maschinen und Werkzeugen gearbeitet werden wie in der Schule. Auch die ruhige Atmosphäre und der nette Umgangston der hilfsbereiten Azubis, die den Jüngeren aus einer anderen Perspektive mit ihrer Erfahrung helfen können, beeindruckte die Schüler, denen es anschließend wichtig war, auch die Azubis zur Präsentation einzuladen.

Durch das Unterrichtspraktikum scheint bei vielen ein Interesse für einen der beteiligten Betriebe geweckt worden zu sein, einige planen, dort ihr einwöchiges Betriebspraktikum zu machen.

Nicht nur die Möglichkeit zur praktischen Anwendung des Schulwissens erweist sich für die Schüler als deutlich lehrreiche Erfahrung, sondern auch die dazugehörige Präsentation des selbst erarbeiteten Würfelkreisels, Nussknackers und Flaschenöffners. Manche standen erstmals vor so großem Publikum, um ihre Arbeit zu erläutern, andere brachten ihr Werk schon recht locker an den Mann. Die dabei geschulten fächerübergreifenden Kompetenzen sind notwendig gewordene Vorbereitungen auf das Berufsleben.

Jörg Panek von IMS Gear erkennt das positive Engagement der Schüler an, deutlich sichtbar sei die Auseinandersetzung mit dem Betrieb auch über die Praktikumsstunden heraus. An Facharbeitern bestehe großer Bedarf, die Betriebe seien an Nachwuchs sehr interessiert. Wenn sich auf diesem Wege nur einige in einen entsprechenden Beruf orientieren, habe sich der Aufwand des Projektes gelohnt.

Realschulrektor Jürgen Widmann begrüßt und unterstützt das Projekt, für das die Schüler vom geregelten Stundenplan abweichen müssen. Er äußerte seine Hoffnung, dass diese Aktion keine "Eintagsfliege" bleibt, sondern sich als regelmäßige jährliche Veranstaltung etabliert.