Mesa Parts gibt wieder Vollgas

Lenzkircher Unternehmen steht vor Umsatzrekord mit 70 Millionen Euro / Neuprojekte stoßen Präzision in Tausendstel-Bereiche.

Badische Zeitung vom 7. August 2010

Nach der Vollbremsung wird sofort wieder mit Vollgas beschleunigt. Das automotive Geschäft bei Mesa Parts boomt wie es Geschäftsführer Julian Meyer nicht erwartet hat. Die Umsätze liegen im Vergleich zum Vorjahr um 90 Prozent höher. Im Jahre eins nach der Krise erwartet Julian Meyer einen Umsatzrekord für das Unternehmen. Im laufenden Jahr 2010 wird sich der Umsatz auf 70 Millionen Euro belaufen. 30 Einstellungen hat Mesa Parts bereits im ersten Halbjahr getätigt. Weitere sollen, wenn die Fachkräfte gefunden werden, folgen.

So wie die Aufträge für den Zulieferer der Autobranche in der zweiten Jahreshälfte 2008 einbrachen, so hat sich die Situation auf einen Schlag wieder geändert. Mesa Parts sucht für die Kunden nach gedrehten Lösungen und fertigt auf Hochtouren. Der anvisierte Planumsatz von 70 Millionen Euro wird erreicht, ist sich Geschäftsführer Meyer schon zur Jahreshälfte sicher. 35 Millionen Euro sind in den ersten sechs Monaten umgesetzt worden und im zweiten Halbjahr und darüber hinaus werde sich die sehr positive Entwicklung fortsetzen. Der bisherige Umsatzrekord liegt bei 64 Millionen Euro.

Im Rückblick auf die ersten sechs Monate spricht Geschäftsführer Julian Meyer von einem guten Bestandsgeschäft. Mesa Parts profitiert von der positiven Entwicklung der Automobilindustrie und speziell von der Entwicklung im Dieselbereich. Bestehende Kunden wie Bosch und Continental sorgen für ein sehr hohes Auftragsvolumen. Die rasante Steigerung der Kundennachfrage übertrifft das Umsatzniveau der Jahre 2007 und 2008 klar.

Erstmals Produzent für einen japanischen Hersteller

Während der Krise 2009 legte bei Mesa Parts keiner die Arme in den Schoß. Die Auftragsflaute wurde genutzt, um mehrere technisch anspruchsvolle Projekte zu gewinnen, die in diesen Wochen umgesetzt werden. So vermeldet Julian Meyer, nicht ohne Stolz, dass das Lenzkircher Unternehmen im März erstmals mit einem japanischen Hersteller ins Geschäft gekommen ist. Mesa Parts liefert mehrere Drehteile sowie das Herzstück einer Benzinhochdruckpumpe für einen Autobauer aus dem Land der aufgehenden Sonne. Ab Herbst werden Kolben und Zylinder folgen.

Vor Jahren unterbreitete Mesa Parts dem VW-Konzern einen neuen Lösungsvorschlag für das Lenkungsgetriebe in der Golfreihe. Die Erkenntnis, dass auf Know-how und Qualität made bei Mesa Parts verlass ist, hat den VW-Konzern bewogen, erneut einen Großauftrag in den Südschwarzwald zu vergeben. Jetzt hat Mesa Parts den Auftrag für alle Drehteile des neuen Druckreglers für das Doppelkupplungsgetriebe von VW an Land gezogen. Sicher auch ein Resultat aus dem Bestreben, den Qualitätsstandard so hoch zu halten, dass unter einer Million Teilen die zum Kunden gehen, nicht ein einziges Stück fehlerhaft ist. Darauf könne man stolz sein und es sei eine tolle Leistung der Mitarbeiter, meint Julian Meyer.

Nur wenige Wettbewerber arbeiten in dieser Präzision-Dimension

Mit den neuen Projekten verschiebt Mesa Parts bisherige Grenzen und stößt in anspruchsvolle Bereiche der Präzision vor, für die es in Europa nur noch wenige Wettbewerber gibt. Für einen Kolben und einen Zylinder, der im Lenzkircher Maierhofäcker entstanden ist, und die nachher im Motor im Einsatz sind, gilt eine Toleranzgrenze von einem Tausendstel Millimeter. Diese Präzision ist jedoch nur mit siebenstelligen Investitionen in neue Technologien wie Honen und Hartdrehen (siehe Infobox) möglich.

Und dabei ist das Unternehmen auch an seine räumlichen Grenzen gestoßen. Neue Produktionsflächen waren nötig und die fand man im früheren Kematen-Gebäude in der Ludwig-Kegel-Straße. Seit April, Mai sind dorthin Fertigungsinseln und Montageanlagen mit 25 Mitarbeitern verlagert worden.

Die Auftragsfülle spiegelt sich auch in der Mitarbeiterzahl wieder. Mesa Parts beschäftigt 465 Mitarbeiter in Lenzkirch, davon befinden sich zehn Prozent in einer Ausbildung. Im Zweigwerk in Nachod in der Tschechischen Republik sind es 260 Mitarbeiter.

Dieser Umsatzsprung, der nicht planbar war, fordert die Mitarbeiter. Er setzt hohe Flexibilität voraus. In guten Zeiten wurde schon immer in drei Schichten produziert. Diese erstreckt sich nun über fünf, oft sechs manchmal sogar über sieben Tage, je nach dem wie der Kunde den Liefertermin wünscht. Nur weil die Mitarbeiter mitgehen, sei diese positive Entwicklung möglich, unterstreicht Meyer.

Flexibel standen die Mitarbeiter auch in der Krise zum Unternehmen und verzichteten 2009 auf ihnen zustehende Sonderzahlungen. Von der guten Geschäftslage profitieren sie jetzt 2010 und in den Folgejahren wieder und werden am Betriebsergebnis beteiligt.

Angesichts des Auftragsbooms sucht Mesa Parts nach Fachkräften in ganz Deutschland. Vom Vorschlag des Wirtschaftsministers Brüderle, diese in großer Zahl zu importieren, hält Julian Meyer nichts. Für den Fachkräftemangel gibt es keine schnelle Lösung. Durchdachte, zielführende Lösungen sind gefragt. Es gelte das Potenzial im Land zu nutzen. Noch immer gibt es 3,5 Millionen Arbeitslose. Ehrgeiziges Ziel der Politik müsste es daher sein, alle auf der Erwerbsleiter eine Stufe höher zu bringen. Mesa Parts verschreibt sich dieser Philosophie und schult neben der regulären Ausbildung sechs Mitarbeiter, die ungelernt oder andere Berufe haben, zu Industriemechanikern um und wirkt so dem Facharbeitermangel entgegen.

Als einer von vielen Mittelständlern, die hauptsächlich die Wirtschaft im Lande tragen, wünscht sich Julian Meyer von der Bundesregierung, dass sie die richtigen Entscheidungen trifft und zu den von Kanzler Schröder und der anschließenden großen Koalition getroffenen Reformen steht und nicht zurückdreht. Dadurch habe Deutschland an Wettbewerbskraft gewonnen. Wer auf dem Weltmarkt bestehen möchte, brauche klare Konzepte. Wer Schlangenlinien macht, bringt niemand nach vorne. Die Themen Arbeitskräfte, Bildung, Integration und Kinderbetreuung sind wichtig und das Riesenthema Verschuldung dürfe nicht vergessen werden. Wenn über eine Erhöhung von Hartz IV gesprochen werde, müsse man sich fragen, wer soll das bezahlen? Am Ende sind es die Mitarbeiter, die diesen Mehraufwand mit höheren Lohnabzügen bezahlen müssen. Als Unternehmer wünsche man sich von der Politik klare Konzepte, Aufrichtigkeit und eine klar Ausrichtung, so Meyer.