Mesa Parts fährt mit Vollgas aus der Krise

Immer mehr Automobilhersteller und -zulieferer setzen auf gedrehte Lösungen aus Lenzkirch / 2010 endet mit Umsatzrekord von 71,6 Mio. Euro.
Badische Zeitung vom 5.2.2011

Im Jahre eins nach der von Banken verursachten Finanz- und Wirtschaftskrise, steht Mesa Parts so gut wie noch nie da: Auf 71,6 Millionen Euro summiert sich 2010 der Umsatz. Er lag damit um 44 Prozent über der Zahl aus dem Krisenjahr 2009 und auch deutlich über dem Vorkrisenniveau. Diese erfreuliche Entwicklung sei aber Anfang 2010 so noch nicht absehbar gewesen, erklärte der Geschäftsführende Gesellschafter Julian Meyer.

Eine Zeit der Extreme, die in sehr positiven Zahlen und Aussichten endet, liegt hinter Mesa Parts. Ende 2008 löst die globale Finanzkrise zunächst eine Rezession mit Auftragseinbrüchen in nicht gekanntem Ausmaß und eine Vollbremsung in der Produktion aus. Schmerzliche Einschnitte auch beim Personal in Lenzkirch und noch mehr im tschechischen Werk sind die Folge. Das Ende der Krise kam aber schneller als erwartet. Im Rückblick könne man sagen, die Politik hat die richtigen Entscheidungen getroffen, meint Meyer. Kurzarbeit und Konjunkturpakete sowie Qualifikationsmaßnahmen halfen diese Zeit zu überbrücken. Ende 2009 gingen mehr Aufträge ein und die Wirtschaft boomt wieder. Auch Mesa Parts wurde von Aufträgen "überrollt." Rückblickend meint der Geschäftsführende Gesellschafter, Julian Meyer, er hoffe, dass dieses extreme Auf und Ab ein einmaliger Effekt bleibe, denn solche Extreme wolle er nicht öfters erleben.


Die Monate der Extreme haben auch eine Erkenntnis reifen lassen. So sei es einfacher mit der Produktion eine Vollbremsung hinzulegen, als eine stark zusammengebremste Produktion mit Vollgas wieder zu beschleunigen. Gut eingelaufene Prozesse gilt es wieder in Gang zu setzten, das Zusammenspiel mit Lieferanten zu starten. All dies kommt nicht so ohne Weiteres wieder optimal ins Laufen, was auch an dem hohen Niveau der Anforderungen an das Zusammenspiel liegt, betont Meyer.

Umsatzrekord bedingt auch einen höheren Personalstand
Der Umsatzrekord mit 71,6 Millionen Euro bedingte auch einen höheren Personalstand. In Lenzkirch ist die Mitarbeiterzahl von 436 um rund 70 Personen auf 504 angestiegen. Bei der Tochter in Nachod (Tschechien) arbeiten jetzt wieder 280 Männer und Frauen. Damit ist personalmäßig das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht.


Dieses zusätzliche Personal war auch nötig, denn der Umsatz stieg um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Dafür verantwortlich war ein sehr hohes Auftragsvolumen bei den Stammkunden von Mesa Parts wie Bosch und Continental, aber auch ein sehr erfolgreicher Start von mehreren Neuprojekten. Mesa Parts profitierte von der positiven Entwicklung in der Automobilindustrie, speziell im Bereich der Dieselmotoren.

Die sehr erfreuliche Umsatzentwicklung mit kurzfristigen Zusatzbedarfe, die das Lenzkircher Unternehmen zeitweise fast "überrollt" haben, waren nur mit Sonderaktionen abzudecken. Dieser Umsatzsprung erforderte eine enorme Flexibilität in allen Bereichen des Unternehmens und spiegelt auch eine hervorragende Leistung der Mitarbeiter wieder, spendet Meyer ein Lob der Belegschaft.

Wie mit Vollgas aus der Krise gefahren werden musste, lässt auch eine weitere unternehmerische Entscheidung im richtigen Licht erscheinen. Acht Millionen Euro hat Mesa Parts im vergangenen Jahr investiert. Diese Summe floss vor allem in Anlagen und Technologien in den Bereichen Honen und Hartdrehen.

Ein Fixpunkt der kommenden Monate bleibt bei Mesa Parts die bundesweite Suche nach Fachkräften, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Derzeit werden elf fachfremde Bewerber zum Industriemechaniker umgeschult. Hier werde man 2011 nachlegen, betont Personalleiter Martin Klimpel. 50 Männer und Frauen werden ausgebildet oder umgeschult. Die kontinuierliche Mitarbeiterqualifizierung ist auch mit Investitionen in die Lehrwerkstatt verbunden.

Eine Million Euro wird an die Mitarbeiter ausbezahlt
Die Mitarbeiter haben im Krisenjahr 2009 auf Sonderzahlungen verzichtet und sind in 2010, 2011 und 2012 am Betriebsergebnis beteiligt und profitieren von der guten Geschäftsentwicklung. Geschäftsführung und Betriebsrat haben vereinbart, aufgrund des Geschäftsverlaufes eine Beteiligung von einer Million Euro an die Mitarbeiter auszubezahlen.

Mit viel Optimismus geht Mesa Parts in die nahe Zukunft. Im laufenden Jahr soll mit 81 Millionen Euro (Steigerung um 13 Prozent) ein neuer Umsatzrekord erzielt werden. Ein hoher Auftragsbestand und die gegenüber der Planung erneut gestiegenen Kundenbedarfe lassen dieses Ziel realistisch gesetzt erscheinen. Eine Herausforderung wird es sein, die Kostensteigerungen bei Energie und Material aufzufangen, die nur schwer an Kunden weitergegeben werden können. Die hohe Auslastung bedeutet eine große Herausforderung für alle Beteiligten.

Die Energiekosten sind ein wichtiger Wettbewerbsfaktor und deshalb sollten neue Energien mit Augenmaß gefördert werden, erhofft sich Meyer die richtigen Entscheidungen von der Politik. An alternativen Antrieben für Autos werde gearbeitet, blickt Julian Meyer in die Zukunft, doch bei den Zulieferern ist das kein großes Thema. Vielmehr werden die konventionellen Antriebe weiter entwickelt und dazu sind drehende Lösungen von Mesa Parts weiter gefragt.