Lernen für die Chance auf einen Job

Zeitarbeitsfirma beschreitet neue Wege: Durch Weiterbildung haben mehr Leiharbeiter die Chance auf reguläre Jobs
Südkurier vom 19.2.2011

Die angeregte Diskussion am Donnerstagabend im Gasthaus Kranz hat die Frage nach Leiharbeit und deren Berechtigung deutlich aufgezeigt. Neben der Politik, die solche Lösungen möglich gemacht hat, und der freien Wirtschaft, die sie nutzt, standen auch Personaldienstleister in der Kritik.

In Bonndorf gibt es das Büro Billharz, das solche Dienstleistungen anbietet. Es wirbt nun in rauer politischer Landschaft um Vertrauen mit der Aussage, dass es über einen Zeitraum von 17 Jahren mehr als 80 Prozent der Facharbeiter in eine dauerhafte Anstellung vermitteln konnte.

Auch in punkto Aus- und Weiterbildung schlägt Firmenchef Thomas Billharz neue Wege ein. In einer Kooperation mit der nach der Krise kräftig aufstrebenden Lenzkircher Firma Mesa Parts hat er die Fortbildung seiner Mitarbeiter vorangetrieben. „Um die Produktion hochwertiger Drehteile weiter zu optimieren, haben wir gemeinsam einen Lehrgang zur ‚Werkerselbstprüfung für Produktionsmitarbeiter' organisiert“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Mit dem IB Bildungszentrum Freiburg sei schnell ein kompetenter Bildungspartner gefunden worden. Finanziell gefördert wird die Maßnahme von der Arbeitsagentur im Rahmen des WeGeBAU-Programms. Zusätzlich beteiligen sich Dienstleistungen Billharz und Mesa Parts an den Kosten.

Im Rahmen des Lehrgangs, mit dem Mesa Parts bereits 2009 erste Erfahrungen sammeln konnte, erhalten die Produktionsmitarbeiterinnen Hintergrundwissen und wichtige „Werkzeuge“ zur Überprüfung der eigenen Arbeitsabläufe. In insgesamt 160 Unterrichtsstunden, verteilt auf je zwei Tage pro Woche, werden Themen wie Messen, Fachzeichnen, Qualitätsmanagement und Kommunikation vermittelt.

„Für uns ist es wichtig, dass auch die Zeitarbeitskräfte bei Mesa Parts die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung erhalten“, betont Personalleiter Martin Klimpel. Mesa Parts hat nach der Krise erst angefangen, Leiharbeitnehmer zu beschäftigen. Derzeit arbeiten 30 dort. „Wir sind jetzt wieder stark gewachsen und brauchen diese Flexibilisierung“, so Klimpel gegenüber dieser Zeitung. Auch der Effekt für den ersten Arbeismarkt sei positiv. Mehr als 20 Leiharbeiter habe die Firma im letzten Jahr in Angestelltenverhältnisse übernommen.

Thomas Billharz ist ebenfalls von diesem Konzept überzeugt: Diese Maßnahme hab gleich mehrere Synergien: Sie nützte den Geschäftspartnern zeitnah, erhöhe die Chancen seiner Mitarbeiter auf eine dauerhafte Übernahme deutlich und sei für den Zeitarbeitgeber die beste Werbung.