Die Energie muss verlässlich fließen

Lenzkircher Hersteller von hochspezifischen Produkten lädt den grünen Landtagsabgeordneten Reinhold Pix zum Firmenbesuch ein.
Badische Zeitung vom 27.07.2011

Die erste grün-rote Regierung in Baden-Württemberg ��" was heißt das für die Industrie ? Eine Frage, die sich am frühen Abend des 27. März, sicher nicht nur Julian Meyer, Geschäftsführender Gesellschafter von Mesa Parts stellte. Nach und nach reifte in ihm die Idee, dem einzig verbliebenen Abgeordneten für den Hochschwarzwald, dem Grünen Reinhold Pix, bei einem Firmenbesuch einen Einblick in die Industrie zu gewähren. Am Montagmorgen war es soweit und die Schwerpunktthemen drehten sich um Sicherheit bei der Energieversorgung und -preise sowie die Schulbildung. Geschäftsführer Julian Meyer und der Leiter des Personalwesens, Martin Klimpel hießen den Landespolitiker, der von Bürgermeister Reinhard Feser begleitet wurde, beim mittelständischen Autozulieferer willkommen und zeigten den Werdegang des 1896 gegründeten Unternehmens mit seinen Kernkompetenzen in anspruchsvollen und hochspezifischen Produkten, dem Aufbau von effizienten und stabilen Prozessketten sowie kompetenten Projektmanagement auf, das in vierter Generation geführt wird.

An Rundtaktautomaten wird rund um die Uhr gearbeitet

Die Marktanteile hat man sich hart erarbeitet. Dazu gehört auch, dass im Dreischichtbetrieb an den Rundtaktautomaten gearbeitet wird. Die Wochenenden sind zeitliche Reserven, die teils genutzt werden müssen, um Kundenaufträge wunschgemäß zu erfüllen. "Jeder Auftrag, der weg ist, kommt nicht wieder", betont Meyer. Ferner ist die Montagetechnik ein Thema und eine neue Abteilung ist mit dem Honen eingerichtet worden. Um personell auch Schritt halten zu können, ist man seit Jahren massiv in die Ausbildung eingestiegen und führt seit 2003 eine eigene Lehrwerkstatt.

Bei der Schulneuordnung könne das alte System verbessert werden. Veränderungen seien angesichts des demoskopischen und gesellschaftlichen Wandels nötig, räumte Meyer ein, doch sollten diese nicht nach ideologischen Gesichtspunkten angegangen werden.

Bürgermeister Feser nahm die Vorlage auf und forderte Pix auf, sich für den Erhalt der Werkrealschulen einzusetzen. Die Kooperationen der zehnten Klassen mit Berufsschulen seien bei Schülern und Eltern gut angekommen, die Landesregierung habe sie vom Tisch genommen, was zu Verunsicherungen geführt habe.

Die Hauptschule führe nicht in eine Sackgasse und, dass sie keine Chance habe, sei "grundlegend falsch", meinte Meyer ergänzend. Schule dürfe kein ideologisches Schlachtfeld werden. Vorschnelle weil nicht zu Ende gedachte Äußerungen, führten zu Verunsicherungen und schadeten massiv, meinte Meyer.

Die neue Landesregierung setze auf Flexibilität, erwiderte Pix. Man strebe ein längeres gemeinsames Lernen an, das auch Teamfähigkeiten und soziale Kompetenzen fördere. "Außerdem wolle man die Grundschulempfehlung nicht aufheben", versprach Pix, "nur die Verpflichtung daraus falle weg." Die Kinder sollten nicht schon in jungen Jahre aussortiert werden, sondern alle sollten die Möglichkeit einer Qualifikation erhalten. Das längere Zusammenhalten der Kinder trage auch dazu bei, dass die Schule auf dem Dorf bleibt. Den Schulträgern gebe man die größtmögliche Freiheit und strebe mit ihnen Ganztageschulen an. Und wenn die Kinder dann um 16 Uhr aus der Schule gehen, sind sie fertig und können sich der Freizeit und dem Vereinsleben widmen, meinte Pix. "Von oben was verordnen machen wir nicht", meinte Pix.

Nach einem Rundgang durch die Produktion kam man im Abschlussgespräch auf die Energie zu sprechen. Mesa Parts verbraucht rund 15 Millionen Kilowattstunden Energie im Jahr und ist auf eine stabile Stromversorgung angewiesen. Schon kurzzeitige Spannungsschwankungen oder Stromausfälle wegen Gewitter ziehen schnell Schäden an Maschinen und Werkzeugen im fünfstelligen Bereich nach sich. Wichtig ist auch der Strompreis, so Meyer. 23 Prozent der Gesamtkosten sind der Energieaufwand. Meyer rechnet in den nächsten Jahren auch mit Konkurrenz aus China, so dass die Preise pro Teil nicht steigen, sondern eher fallen werden. Pix entgegnete, die Befürchtungen seien unbegründet. An der Leipziger Strombörse sei ein guter Preis aus mit Wind- und Sonnenkraft erzeugten Strom notiert worden und diese Energie werde künftig ausreichend zur Verfügung stehen. So sehe er im Schwarzwald noch Kaltreserven durch kleine Wasserkraftanlagen, die der Strommenge eines Atomkraftwerkes entsprechen würden. Erst müssten die Speichermöglichkeiten gelöst werden. Hier seien viele Ansätze schon weit gediehen.

Von der Politik wird das nötige Augenmaß gewünscht

An der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Baden-Württemberg werde sich nichts ändern. Die Rahmenbedingungen wolle und könne die neu Regierung nicht vorgeben. Wie die Mobilität von morgen aussieht, weiß keiner. Dieser Herausforderung werde sich der Hochtechnologiestandort stellen. Die Regierung werde die Forschung stärken und erfolgreiche Unternehmen wie Mesa Parts beim Tüfteln und Verfeinern der Produkte unterstützen. Dazu wünschte Julian Meyer der Politik Augenmaß, denn in vielen Dingen sei Deutschland führend. Dies sollte nicht auf Spiel gesetzt werden.