Die Jungen können wählen

Im Hochschwarzwald gibt es mehr Ausbildungsplätze als Bewerber / Vermittlungsbörse startet
Badische Zeitung vom 21. Juli 2012

Noch auf den letzten Drücker junge Menschen in eine Ausbildung im Hochschwarzwald vermitteln, das will die Aktion \"kurz vor knapp\" der Agentur für Arbeit Freiburg. Wobei sich nicht nur Junge von der Aktion etwas versprechen dürften, sondern vor allem die Arbeitgeber in der Region. Es sind nämlich noch viele Stellen unbesetzt, statistisch gesehen kommen auf einen Bewerber 2,7 offene Stellen. Während die Metallbauer und Banken weniger um den Nachwuchs bangen müssen, haben es die Gastronomie und das Bäckerhandwerk schon schwerer. Es gibt nicht genügend Bewerber für die Ausbildungsplätze im Hochschwarzwald. 348 Plätze führt die Agentur für Arbeit Freiburg in ihrer Statistik an, dem stehen 222 Bewerber gegenüber. \"Es bleiben aber mehr Stellen offen, als die Differenz der beiden Zahlen\", sagt Ute Köstner von der Arbeitsagentur: \"Bei manchen Arbeitgebern melden sich viele Bewerber, bei manchen weniger.\" Hinzu kämen Menschen, die sich auf mehrere Stellen bewerben. Stand Ende Juni sind noch 179 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Nicht genügend Bewerber bekommt etwa das Treschers Schwarzwaldhotel am See, obwohl das Haus eine gute Adresse ist. \"Das ist ein branchenübergreifendes Problem\", sagt Dörthe Sternecker. \"Auch in Ballungsräumen gibt es Probleme, Auszubildende für die Gastronomie zu finden\", sagt Sternecker. Der Beruf bringe zwar positive Seiten mit sich, etwa dass es leicht sei, ins Ausland zu gehen und dass man viel mit Menschen arbeiten könne. \"Aber die Arbeitszeiten schrecken wohl viele junge Leute ab. Und in anderen Branchen verdient man besser.\" Zwischen 613 Euro im ersten und 741 Euro im dritten Jahr bekommt ein Lehrling.

Die Sparkasse Hochschwarzwald oder Mesa Parts bekommen beide ihre Lehrlingsstellen jedes Jahr besetzt. Allerdings merken beide Arbeitgeber, dass es weniger Bewerbungen werden. \"Vor allem weniger sehr gute\", meint Martin Klimpel, der Leiter der Personalentwicklung bei Mesa Parts. Seinem Pendant von der Sparkasse geht es ähnlich. Und in noch einem Punkt haben die beiden Unternehmen Parallelen. Denn neben dem Verdienst (Sparkasse circa 850 bis 900 Euro, Mesa Parts 847 Euro bis 1047 Euro), \"sind es glaube ich die Karrierechancen, die die jungen Leute zu uns bringen\", meint Albert Stratz, der Leiter der Personalentwicklung bei der Sparkasse. Auch Firmen wie IMS Gear, haben keine Probleme, Azubis zu finden. Auf 50 Stellen gab es rund 500 Bewerber, sagte Geschäftsführer Wolfgang Weber.

\"Das Problem ist, dass es sehr schwer ist, junge Leute von außerhalb für eine Lehre im Hochschwarzwald zu gewinnen\", meint Ute Köstner.

Echten Nachwuchsmangel beklagt Thomas Schuble, Geschäftsführer der Hochschwarzwälder Bauernbrotbäckerei Gehri. Während es für die Lehrstellen als Bäckereifachverkäufer/in regelmäßig Bewerber gebe, ist das für die Backstube nicht der Fall. \"Mit den Arbeitszeiten und dem Verdienst können die jungen Leute wenig anfangen\", sagt er. Die Schichten beginnen zwischen 2 und 4 Uhr morgens, das Gehalt liegt zwischen 400 und 600 Euro. Sorgen macht sich Schuble aber noch keine. \"Bisher haben wir Fachkräfte von außerhalb bekommen\", sagt er.