Wirtschaft auf der Hut

Testo hinter den Erwartungen, Atmos zufrieden, Mesa Parts fährt auf Sicht.
Badische Zeitung vom 9. November 2012

In Teilen der Wirtschaft geht die Angst um vor dem Abschwung als Folge der anhaltenden Euro-Krise. Die Auto-Absatzkrise in Europa hat bereits Opel, Ford und Zulieferer Bosch zur zeitweiligen Rückkehr zu Kurzarbeit veranlasst, der Daimler-Konzern beschloss ein Sparprogramm. Über die Lage im Hochschwarzwald und die Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung hat die BZ sich bei Unternehmen in der Region umgehört.

Bei der Testo AG bleibt die Auftragslage in diesem Jahr etwas hinter den Erwartungen zurück. \"Nicht zufriedenstellend\" läuft es laut dem Vorstandsvorsitzenden Burkart Knospe für den Messtechnik-Produzenten im Handwerksgeschäft und im Energiesektor. Erfreuliche Entwicklungen sieht er dagegen in der Lebensmittel- und Gesundheitsbranche und der Dienstleistungssparte von Testo. Uneinheitlich ist das Bild auch für die Absatzmärkte des weltweit tätigen Unternehmens, für das in Lenzkirch, Titisee und Kirchzarten rund 1250 der insgesamt etwa 2400 Mitarbeiter tätig sind: Während die traditionell starken westeuropäischen Länder \"straucheln\", laufen die Geschäfte in Asien und Osteuropa, vor allem auf dem russischen Markt, gut bis sehr gut. Insgesamt erwartet die Testo-Gruppe, die 2011 mehr als 200 Millionen Euro Umsatz machte, für 2012 \"solides einstelliges Wachstum\".

Etwa 70 Prozent der Testo-Produkte werden ins Ausland verkauft. Der größte Markt ist Westeuropa, gefolgt von Asien und Osteuropa. In den kommenden Wochen bringt das Unternehmen das \"testo 380\" auf den Markt, ein Feinstaubmessgerät für Schornsteinfeger und Heizungsbauer. Eingesetzt wird die Neuentwicklung an Kleinfeuerungsanlagen wie Hackschnitzelheizungen.

Gesamtwirtschaftlich sieht Knospe in der Verschuldungskrise im Euro-Raum eine große Gefahr. Die Politik reagiere mit ungehemmter Verschuldung und verschlimmere mit dieser Bekämpfung der Symptome noch die eigentlichen Ursachen. \"Irgendwann wird dieses System kollabieren mit fatalen Folgen für die Konjunktur\", fürchtet er. In den nächsten zwei Jahren rechnet er damit noch nicht.

\"Alles über allem geht es uns gut, wir sind zufrieden\", sagt Peter Greiser. Bei differenzierter Betrachtung sieht der Geschäftsführer der Atmos Medizintechnik in Lenzkirch indessen \"Licht und Schatten\". Europa als Absatzmarkt \"macht weniger Spaß\", hier sei die Euro-Krise deutlich spürbar. Und in den USA ist der Markt nicht erst seit diesem Jahr rückläufig. \"Sehr erfreulich\" laufen dagegen die Geschäfte für Atmos in Asien, sagt Greiser und nennt als Beispiele China, Indonesien, Indien und Malaysia. Gut sei die Lage auch in Osteuropa, vor allem Russland, und dem Mittleren Osten. \"Wir spüren keinen Einbruch\", ist das Fazit. \"Medizintechnik ist und bleibt ein Wachstumsmarkt\", verweist Greiser auf jährliche Wachstumsraten von fünf bis acht Prozent. Die übertrifft das 275 Mitarbeiter zählende Lenzkircher Unternehmen mit den erwarteten rund 20 Prozent für das laufende Jahr bei weitem. Greiser rechnet mit einem konsolidierten Jahresumsatz um 35 Millionen Euro. Auch mit dem Gewinn sei man zufrieden.

Etwa zwei Drittel seines Umsatzes macht Atmos auf dem europäischen Markt, fünf Prozent in den Krisenländern Spanien, Italien und Griechenland. Gerade versucht das Familienunternehmen in Japan Fuß zu fassen, auf dem \"nach den USA\" zweitgrößten Medizintechnik-Markt. Zwei bis drei Jahre könne dort die Zulassung neuer Produkte dauern, sagt Greiser. Mit seinen wichtigsten Produkten habe Atmos diese hohe Hürde schon genommen. Neue Produkte sind Mikroskope und elektronische Drainagen.

\"Deutlich ruhiger\" als für das laufende Jahr geplant verläuft die Umsatzentwicklung beim Lenzkircher Unternehmen Mesa Parts laut Personalleiter Martin Klimpel. Nach dem Rekordumsatz 2011 von 82,7 Millionen Euro wurde eine weitere Steigerung auf 85 Millionen angestrebt. Derzeit liege man fünf bis zehn Prozent hinter dieser Planung zurück. Mehr als 80 Prozent seiner Drehteile und Baugruppen produziert das Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitern in Lenzkirch für die Autoindustrie.
 
Deren Absatzprobleme bekommt auch der Zulieferer zu spüren. \"Die Bedarfe werden angepasst\", sagt Klimpel, wobei die Reduzierungen für verschiedene Produktgruppen ganz unterschiedlich ausfielen. Das führt dazu, dass in Abteilungen, die an neuen Projekten beteiligt sind, Zusatzschichten gefahren werden, während in anderen schon Schichten reduziert wurden, so in der ersten Oktoberwoche. Wo es die unterschiedlichen Technologien erlauben, werden Arbeitskräfte flexibel eingesetzt. Zudem können Urlaub und auf Zeitkonten angesammelte Mehrarbeit abgebaut werden. \"Kurzarbeit ist nicht geplant\", erklärt der Personalleiter. \"Aktuell fahren wir auf Sicht.\" Zur wirtschaftlichen Entwicklung 2013 sei momentan noch keine Prognose möglich.