35 neue Arbeitsplätze in Neustadt

Mesa Parts verlagert Medizintechnik in ehemalige Huber-Halle / Hergestellt werden 55000 Insulin-Pens wöchentlich für Diabetiker

Badische Zeitung vom 23. Januar 2015

Neustadt ist um eine namhafte Firma reicher: 35 neue Arbeitsplätze entstehen, weil Mesa Parts die Sparte Medizintechnik von Lenzkirch hierher verlagert. Der Spezialist für Drehteile und Baugruppen wird hier Hülsen für die Insulin-Pens des Herstellers Novo Nordisk fertigen.

Nicht überall ist drin, was draufsteht. Das gilt für die große Halle von Huber-Haus am südlichen Rand des Okalgeländes. Mesa Parts hat schon Einzug gehalten, und da gibt es momentan Wichtigeres zu tun, als ein Firmenlogo zu ersetzen. Personalleiter Martin Klimpel schmunzelt: Man muss noch suchen, wo die Tür ist. Mit dem Einzug der Produktion geht der weitere Umbau der Halle für die nächsten Stufen einher. Zurzeit behilft man sich noch mit blauen Plastikbahnen als Trennwände. Es wird aber schon gearbeitet, wie man sich bei einem Rundgang mit Geschäftsführer Julian Meyer und Martin Klimpel überzeugen kann.

Das Schleifen, das Kontrollieren und das Bedrucken der rostfreien Stahlhülsen laufen bereits. Es sind die Einzelteile des Insulin-Pens, den Mesa Parts seit mehr als 15 Jahren für das dänische Unternehmen Novo Nordisk herstellt, immer dem technischen Fortschritt angepasst. Ein Insulin-Pen dient der einfachen Injektion einer voreingestellten Menge an Insulin bei Diabetes. Der Pen (englisch: Stift) ist also eine Spritze, gleicht aber eher einem eleganten Füller oder einer eleganten LED-Taschenlampe. 55.000 Einheiten mit je zwei Einzelteilen liefert Mesa Parts wöchentlich nach Dänemark und nach China, das neben Deutschland Hauptabsatzmarkt des wieder befüllbaren und verwendbaren Insulin-Pens ist.

Auch den freiwerdenden Platz in Lenzkirch will Mesa Parts nutzen


Hinter dem Schritt von Lenzkirch nach Neustadt stand die schiere Notwendigkeit. In Lenzkirch war man auf drei Standorte verteilt (Hauptwerk, Freiburger Straße und ehemals Kadus). Vor allem hatte ein Vermieter, die Schlosserei Wittmer, dringend eigenen Platzbedarf. Es stellte sich die Frage, ob man an vereinzelten Standorten festhält oder eine Zusammenlegung anstrebt. Auf der Suche ergaben sich Möglichkeiten in Titisee-Neustadt und in Löffingen. Die Huber-Halle bot von der Größe und Lage her die besten Voraussetzungen.

Die je zwei Einzelteile des Insulin-Pens sind nicht groß, Mesa Parts braucht aber recht voluminöse Verpackungen, also braucht es Platz. Der Standort "passt gut in die Logistik", sagt Meyer: Die Halle wird täglich einmal von einem Transporter angefahren. Sie bietet 800 Quadratmeter Produktionsfläche, einschließlich Lager und Büro hat Mesa Parts 1300 Quadratmeter gemietet. Die Investition in Gebäude und Infrastruktur beziffert Meyer mit 200.000 Euro.

Der Einzug in die neue Fertigungsinsel erfolgt in drei Phasen. Schon da sind Schleiferei, Tampondruck und Sichtkontrolle. Im Februar werden die Drehmaschinen eingerichtet. Im Juni kommen die Laser- und die Oberflächenbearbeitung nach. Dann werden die 35 Arbeitsplätze voll belegt sein, teils im Dreischichtbetrieb. Derzeit sind zehn bis 15 Beschäftigte da. Die Belegschaft besteht aus Industriemechanikern, die unterschiedliche Technologien beherrschen, sowie aus angelernten Kräften.

Wird es bei der Halle bleiben?


Den nach und nach freiwerdenden Platz in Lenzkirch wird Mesa Parts nutzen, um den dringenden Raumbedarf in der Produktion für die Automobilindustrie zu befriedigen.

Wird es bei der Halle bleiben? Die Zusammenarbeit mit Novo Nordisk ist langfristig angelegt und die Halle ist bereits ausgeschöpft, während das Areal noch reichlich freie Fläche bietet. Meyer und Klimpel beantworten die Frage mit einem Lächeln, dann sagt Meyer, dass nicht daran gedacht sei, die Medizinsparte auszudehnen. "Stand heute", sagt er, "gibt es keine weiteren Planungen für Neustadt."

Hintergrund: Mesa Parts

Die Geschäfte entwickeln sich gut. 80,8 Millionen Euro Umsatz 2014 entsprachen dem Vorjahresniveau. Mit 88 Millionen Euro im laufenden Jahr plant man eine zehnprozentige Steigerung. 2014 brachte einen Anstieg der Belegschaft von 531 auf 541 Beschäftigte in Lenzkirch, und für 2015 ist wieder ein moderater Anstieg ins Auge gefasst. Das Werk Nachod (Tschechien) zählt 300 Köpfe. Die hohe Auslastung, das Anlaufen mehrerer Neuprodukte und die baulichen Veränderungen bedeuten eine große Herausforderung für alle Beteiligten, betonen Meyer und Klimpel, erfreut über die gute Auftragslage und die Chancen, die der Markt bietet.