Im Wettbewerb um geschickte Hände

CDU-Sozialpolitiker besuchen Mesa Parts und informieren sich über Themen rund um die betriebliche Ausbildung.
Badische Zeitung vom 22. Juli 2015

Einziger Industriebetrieb auf der Liste der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) auf ihrer diesjährigen Sommertour war gestern die Mesa Parts in Lenzkirch. Zur Delegation mit der stellvertretenden DGB-Bundesvorsitzenden Elke Hannack und der Bundestagsabgeordneten Gabriele Schmidt hatten sich auch MdB Thomas Dörflinger, Klaus Schüle und Bürgermeister Reinhard Feser hinzugesellt. Das Thema der Dienstreise lautete: Ausbildung. Die Vertreter von Mesa Parts hatten in dieser Hinsicht durchaus Wünsche an die CDU-Politiker.

An erster Stelle warb Mesa Parts dabei für eine größere Wertschätzung der dualen Ausbildung vonseiten der Politik. Julian Meyer, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, beklagte in diesem Zusammenhang die zunehmende Akademisierung von Berufsausbildungen, die mit einer Abwertung der klassischen Ausbildungsberufe verbunden sei. Ein bewährtes System werde seit einigen Jahren regelrecht abgeschossen. "Ich kann’s nicht verstehen, dass man diesem Trend in der Politik so einfach nachgibt", appellierte er an die Politiker.

Auch Personalleiter Martin Klimpel brach eine Lanze für den Erhalt der betrieblichen Berufsausbildung: "Die zentrale Basis unseres Unternehmenserfolges ist die eigene Berufsausbildung." Wie die Gäste in den beiden Präsentationen zu Beginn ihres Besuchs erfuhren, hat das das 1896 gegründete, immer größer und erfolgreicher gewordene Familienunternehmen inzwischen 500 Mitarbeiter an seinen Lenzkircher Standorten und 300 Mitarbeiter in seiner Niederlassung in Tschechien. Die Quote der Auszubildenden in der Belegschaft an den heimischen Standorten betrage zehn Prozent, so Julian Meyer. Fast alle Auszubildenden werden übernommen.

Da die Mesa Parts Drehteile und Baugruppen im hochqualitativen Bereich vor allem für die Autozulieferer entwickelt und produziert, stehen bei Mesa technische Ausbildungsberufe im Vordergrund. Vor allem Industriemechaniker braucht das Unternehmen. Zehn Azubis in technischen Berufsausbildungen stellt Mesa Parts jährlich ein. Viele von ihnen haben als Schüler ihr Berufspraktikum bei Mesa Parts absolviert.

Ein weiterer Faktor, der bei der Werbung um Auszubildende zählt, sind die Schulkooperationen, die Mesa Parts mit Schulen in Lenzkirch, Neustadt und Bonndorf unterhalte. "Ohne unsere Schulkooperationen könnten wir unsere Ausbildungsstellen nicht besetzen", bekennt Ausbildungsleiter Andreas Lüber.

Unter diesem Aspekt verfolgt man bei Mesa Parts mit Argusaugen die bildungspolitischen Entwicklungen in Stuttgart wie in Lenzkirch und den Nachbarorten. "Die Schule in Lenzkirch ist für uns wichtig." "Nachdem es in Lenzkirch keine Gemeinschaftsschule geben wird, sind wir gespannt, wie die Kooperation mit Neustadt funktioniert, falls sie zustande kommt", sagt Martin Klimpel. Bürgermeister Reinhard Feser appellierte in Sachen Schule ebenfalls an die Politiker: "Ihr müsst sehen, dass ihr Modelle entwickelt, die auch im ländlichen Raum funktionieren." Gut sei schon jetzt die Zusammenarbeit mit Hochschulen der Region, mit den Fachhochschulen in Furtwangen oder den Dualen Hochschulen in Lörrach und Schwenningen.


Was den Pool an potenziellen Auszubildenden betrifft, hoffen Julian Meyer und Martin Klimpel, dass in Zukunft mehr Mädchen Interesse an technischen Berufen finden werden. Auch unter Flüchtlingen in Deutschland gebe es Anwärter, denen die Politik den Zugang zu betrieblichen Ausbildungen erleichtern sollte.

Sehr bewährt hat sich die Lehrwerkstatt des Unternehmens, die 2003 in Betrieb genommen wurde. So sehr, dass zur Feier des zehnjährigen Bestehens klargeworden sei: "Wir müssen die Fläche vergrößern", wie Martin Kimpel berichtet.

Das neue Ausbildungszentrum, das im vergangenen Jahr eingeweiht wurde, besichtigten die Gäste im Anschluss an die Vorträge. Dort herrschte gestern das pralle Leben, denn nicht nur christdemokratische Politiker, sondern auch Göschweiler Grundschüler waren hier zu Besuch.

Die Schüler stellten, angeleitet von Mesa Parts-Azubis, Vasenhalter her, die sie an ihrem Schulbasar demnächst verkaufen wollen. Wer weiß, vielleicht haben diese Stunden bei dem einen oder anderen schon jetzt die Neigung zu Werkbänken und Werkstoffen und zur Arbeit geweckt.

Auf ein viel älteres und garantiert erprobtes Mitarbeiterpotenzial wies nach der Besichtigung Gabriele Schmidt hin: "Ich rate Ihnen, mit einzelnen älteren Mitarbeitern in Sachen Flexi-Rente zu sprechen", empfahl die Bundespolitikerin den Firmenvertretern.