Ein Schaufenster in die beruflichen Werdegänge

Unternehmen Mesa Parts und das Bildungszentrum Bonndorf schließen eine Bildungspartnerschaft / Gute Noten sind kein alleiniges Einstellungsmerkmal.
Badische Zeitung vom 3. August 2015

Das Unternehmen Mesa Parts ist mit dem Bildungszentrum Bonndorf eine Bildungspartnerschaft eingegangen. Das Vertragswerk haben am Donnerstag Geschäftsführer Julian Meyer und Realschulrektor Paul Gihr sowie Rektorin Brigitta Stephan im Anschluss an eine Firmenpräsentation unterzeichnet.

Ihren ersten unterrichtsfreien Tag nutzten die Pädagogen Paul Gihr und Miriam Mark von der Realschule Bonndorf sowie Brigitta Stephan, Klaus Morath und Christian Bäuerle von der Werkrealschule Bonndorf zum Besuch des Lenzkircher Unternehmens.

Geschäftsführer Julian Meyer nahm sich gerne die Zeit, denn der enge Kontakt zwischen Lehrer und Unternehmen sei wichtig. Dabei erhielten die Lehrer Einblicke ins Berufsleben, erfahren, welche Anforderungen und Qualifikationen ein Ausbildungsbetrieb stelle und welche Berufswege sich nach einer Ausbildung einschlagen ließen. Jüngst werden solche Kooperationen verstärkt, denn es sei vorteilhaft, wenn sich die handelnden Personen kennen, meinte Geschäftsführer Julian Meyer.

Mit solchen Bildungspartnerschaften eröffne man den Schülern weitere Bildungschancen, merkte Rektor Paul Gihr anfangs an und betonte, die Realschule Bonndorf zähle 540 Schüler. Darunter sind auch etliche Jugendliche aus Lenzkirch. Inzwischen werden mehr Lenzkircher Realschüler in Bonndorf unterrichte, als an der Realschule Neustadt, betonte Paul Gihr.

Das Lenzkircher Präzisionsunternehmen zählt 50 Auszubildende und stellt jährlich zehn Jugendliche ein, die einen Beruf erlernen wollen. Ausgebildet werden Industriemechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Elektromonteur, technischer Produktdesigner, IT und Industriekaufmann. Abgesehen von wenigen Ausnahmen haben alle Berufsstarter zuvor schon ein Praktikum bei Mesa Parts gemacht. Dies erhöht die Chance, dass die Auswahl von Berufsbild und Ausbildungsbetrieb auch passe, meint Andreas Lüber, Leiter des Ausbildungszentrums. Der Ausbildung werde ein immer höherer Stellenwert gegeben, führte Personalleiter Martin Klimpel an und nannte folgende Zahlen. Im Jahr 1999 zählte Mesa Parts neun Auszubildende. Im laufenden Jahr sind es 50. Die meisten Auszubildenden sind frühere Praktikanten. Deshalb sollten Jugendliche, deren erste Anfrage für ein Praktikum wegen Überschneidungen abgelehnt wurde, es noch einmal in den Schulferien probieren.

Geschäftsführer Julian Meyer stellte den Vertretern des Bonndorfer Bildungszentrums das 1896 und von ihm jetzt in vierter Generation seit 2002 geführte Familienunternehmen vor. In Lenzkirch sind 520 Mitarbeiter beschäftigt. An drei Standorten sehen 20 000 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung. Ein zweites Standbein ist in Nachod in Tschechien mit 300 Mitarbeitern und 5000 Quadratmeter Produktionsfläche. Mesa Parts ist eine Firma der Hochpräzision und spaltet selbst noch den Tausendstelmillimeter. Täglich werden eine Million Teile produziert und der geplante Jahresumsatz liege bei 85 Millionen Euro und man wachse weiter. Zu den Kunden im automotiven Bereich gehören die Zulieferer Bosch, Continental, Hitachi und Hilite. Hier werden Teile für Kraftstoffeinspritzungen, Getriebe- und Motorsteuerungen, für die Fahrsicherheit (ABS, ESP) oder Turbolader produziert. Im medizinischen Bereich werden Insulinspritzen in Form eines Federhalters für Novo Nordisk in Titisee-Neustadt gefertigt. All diese Fertigungen der Teile sind auf Großserien ausgelegt. Die Kernkompetenz gliedert Meyer in Technologie, Projektmanagement, Logistik und Qualität auf.

Mesa Parts ist in der Region verwurzelt

Auf die Nachfrage, welche Voraussetzungen Auszubildende mitbringen müssten, meinte Meyer, man benötige die ganze Bandbreite der Schulabgänger. Vom Förderschüler bis zum Studenten. Allen müsse aber ein mathematisches Grundverständnis eigen sein. Ein früherer Bonndorfer Realschüler baue gerade in Mexiko ein Joint Venture auf und mache dort einen tollen Job, so Meyer. Man benötige Mitarbeiter mit Sozialkompetenz und weiteren Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Und auf eine weitere Frage, ob eine Verlagerung aus Kostengründen überlegt werde, meinte Meyer, "Mesa Parts ist in der Region verwurzelt". Dies sei nicht vorgesehen. Das Ziel sei es, in Lenzkirch, in Tschechien und künftig auch in Mexiko erfolgreich zu sein. Und um dieses Ziel zu erreichen, benötige man viele gute Mitarbeiter.