Ausbildung digital und komplett

Ausbildung digital und komplett

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Badische Zeitung vom 19. Februar 2019

Wer Schule als Fabrik bezeichnet, wird schräg angeschaut. Wenn von Lernfabrik 4.0 die Rede ist, sieht es ganz anders aus. Denn 4.0 steht für modernste Technologie, da geht es um digitale und virtuelle Welten, um Vernetzung und Produktionsprozesse aus einem Guss. Die Hans-Thoma-Schule in Neustadt baut eine solche Lernfabrik 4.0 innerhalb der nächsten zwei Jahre auf und wird dann ein Alleinstellungsmerkmal der beruflichen Bildung im Landkreis haben, freut sich dessen Finanz- und Schuldezernent Thomas Wisser.

Mit dem stellvertretenden Schulleiter Roland Kain, Gewerbe-Abteilungsleiter Martin Rieder und seinem Fachbereichsleiter Schulen und Bildung, Werner Seger, ist sich Wisser einig: Das Konzept ist ganz auf die Bedürfnisse der heimischen Industrie zugeschnitten, die höchst qualifizierte Zerspanungs- und Industriemechaniker benötigt. Die Unternehmen haben aber nicht nur mitgewirkt, als die Idee konkretisiert werden musste. Sie werden demnächst Post von der Schulleitung erhalten und erfahren, dass die Lernfabrik 4.0 mit 200 000 Euro vom Land gefördert wird, und zwar vom Wirtschaftsministerium. Die Differenz zu den Kosten von gut 1,5 Millionen Euro bringt der Landkreis auf. 14 Unternehmen (Infobox) sowie die Industrie- und Handelskammer steuern gemeinsam ungefähr 42 000 Euro bei. Kain nennt es wichtig, dass die Firmen mitziehen, weil sie es sind, die ihre Azubis an die Hans-Thoma-Schule schicken und langfristig dabei sein werden.

Die Lernfabrik entsteht in der gewerblichen Abteilung der Schule, dem sogenannten B-Bau. Eine Fläche von 800 Quadratmetern wird baulich neu strukturiert. Davon sind 300 Quadratmeter zusätzliche Fläche, die auf der Grünfläche zwischen dem dreigeschossigen Gebäude und dem Flachbau entstehen. Damit kann eine ganze Werkstraße entstehen, vom Materiallager bis zur Fertigung.


Der komplette Produktionsprozess wird simuliert. Vernetzung ist das Zauberwort. Die jungen Zerspaner und Industriemechaniker sollen nicht nur ein bestimmtes fachliches Können beweisen, sondern mit digitalem Fachwissen übergreifende Kenntnisse der einzelnen Fertigungsschritte mitbringen. Nehmen wir als Übungsobjekt einen Flaschenöffner oder, etwas komplexer, ein Taschenmesser. Die jungen Leute sind eingebunden vom Entwurf des Produkts über die Materialbeschaffung und -bereitstellung bis zum Rüsten der Maschinen. Sie bedienen ein CNC-Dreh- und Fräszentrum, setzen Robotik und Steuersoftware ein. Sie lenken die Produktion, wissen, wie sie auf Fehlermeldungen reagieren müssen, übernehmen die Qualitätskontrolle, kennen sich aber auch bei Versand und Rechnungsstellung aus. Denkbar ist eine Vernetzung innerhalb der Schule: Technische Gymnasiasten entwerfen ein Produkt, die Berufsschüler produzieren es, Industriekaufleute (diese Ausbildung soll an die Schule geholt werden) verkaufen, Wirtschaftsgymnasiasten übernehmen das Controlling. Das entspräche der betrieblichen Wirklichkeit.

Nicht alles für die Lernfabrik 4.0 muss neu angeschafft werden. Der Landkreis investiert schon akut siebenstellige Beträge in neue Maschinen und Werkzeuge. Wisser sagt selbstkritisch, man habe viel zu lange nichts oder zu wenig für die moderne Ausstattung getan. Künftig werde man alle drei bis fünf Jahre überlegen, was angepasst und erneuert werden muss. Die Botschaft ist: Man müsse sich von überkommenen Vorstellungen lösen, denn nicht alles, was noch funktioniere, sei auch noch zeitgemäß für die Anforderungen im Beruf.

Die Neustädter Lernfabrik 4.0 soll einmal auch als Vorzeigeprojekt dienen.

Die Firmen

Beteiligt sind Mesa Parts (Lenzkirch), Rudi Willmann Drehteile (Löffingen), August Weckermann (Eisenbach), Framo Morat (Eisenbach), Hans Pfeiffer (Friedenweiler), Gleason Cutting Tools (Eisenbach), Frei Lacke (Bräunlingen), GSC Schwörer (Eisenbach), IMS Gear (Donaueschingen), Testo (Lenzkirch), WST Präzisionstechnik (Löffingen), Wandres micro-cleaning (Stegen), Halstrup-Walcher-Gruppe (Kichzarten) und Dold Holzwerke (Buchenbach). Außerdem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein.

 

 

 

 

 

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