Technik und Teamarbeit begeistern

Ausbildung digital und komplett

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Badische Zeitung vom 12. Juli 2019

"Mit weniger Druck lässt sich mehr erreichen." Geduldig erklärt Tom Giefer, wie es sich mit der neuen Gehrungssäge am besten arbeiten lässt. Der junge Mann gehört zu einer Gruppe von Auszubildenden der Unternehmen IMS Gear, Framo Morat und Mesa Parts. Zusammen mit ihren Ausbildungsleitern sind sie an diesem Donnerstag in den Technikräumen der Neustädter Realschule zu Gast und arbeiten gemeinsam mit den Technikschülern der achten Klassen an verschiedenen Werkstücken. So ein Treffen zwischen Lehrlingen von heute und möglichen Azubis von morgen ist nicht selbstverständlich, sondern ist im Fall der Realschule dem Engagement von Techniklehrer Thomas Zipfel und den Betrieben zu verdanken, die sich im Werben um neue Mitarbeiter nicht als Konkurrenten sehen, sondern lieber gemeinsame Sache machen.

Seit zwölf Jahren gibt es die Kooperation zwischen der Schule und den Firmen. Anfangs dachte sich jedes Unternehmen ein eigenes Projekt für die Schüler aus. Das änderte sich vor vier Jahren: Seither arbeiten Schüler, Azubis, Lehrer und Ausbildungsleiter an einer Sache. Mit dem Ergebnis, dass die Realschule seither stolzer Besitzer von Schraubstöcken, Bohrhalterungen und seit wenigen Tage von vier Gehrungssägen ist.

Und so funktioniert die Sache: Im Technikunterricht überlegen sich die Schüler, welche Ausrüstung sie brauchen könnten und bauen kleine Modelle davon. Die gehen an die Azubis in den Betrieben, die erst die notwendigen Zeichnungen anfertigen und dann die Werkzeuge anfertigen. Bei der Entstehung der einzelnen Komponenten in den Firmen sind die Schüler mit dabei – und bekommen damit einen Einblick in die dortige Arbeitswelt.

Eine Win-win-Situation nennen Lehrer Thomas Zipfel und die Ausbildungsleiter Holger Schwaab (Framo), Jörg Panek (IMS) und Pirmin Winterhalder (Mesa Parts) das. "Die Schüler kommen in Kontakt mit Berufen, die Unternehmen mit möglichen Azubis und der Schulträger spart das Geld". Außerdem werden Kommunikation und Miteinander gefördert – auch über Betriebsgrenzen hinweg. "Austausch und Teamarbeit sind ungeheuer wichtig. Einzelkämpfer sollte es keine mehr geben", machen die Ausbildungsleiter deutlich. Beim Werben um dringend benötige Fachkräfte im technisch-gewerblichen Bereich stünden die drei Unternehmen "in einem gesunden Wettbewerb", es gehe aber nicht darum, den Kollegen mögliche Lehrlinge wegzuschnappen. "Vielmehr freuen wir uns für den anderen, wenn ein Azubi den Weg zu ihm findet", sagen Schwaab, Panek und Winterhalder. Und: Die Unternehmen wollen es durch die Arbeit mit der Schule auch schaffen, mehr Frauen für einen technischen Beruf zu begeistern.

IMS-Auszubildender Tom Giefer kann den Schülern die Vorteile einer Ausbildung im Hochschwarzwald besonders gut vermitteln. Der Franzose wuchs in einem kleinen Dorf auf, kam dann nach Düsseldorf und ist 2017 für die Lehre in die Region gekommen. "Ich fühle mich hier sehr wohl", sagt er. Dazu trägt auch das Projekt mit der Schule bei, die Arbeit mit den Schülern mache Spaß, der Austausch mit Azubis aus anderen Betrieben sei sehr interessant.

"Zu sehen, wie so eine Säge entsteht, das ist schon spannend", meint der Achtklässler Aaron Stemmler. Allerdings weiß er schon jetzt, dass er in eine andere berufliche Richtung gehen wird. Felix Chilenko dagegen ist sich nicht noch nicht sicher, was er einmal machen will. Durch das Projekt mit den Betrieben ist ihm deutlich geworden, dass es durchaus etwas Technisches sein könnte.

 

 

 

 

 

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